…ich packe meinen Koffer und nehme nicht mit:

  1. Smartphone
  2. Actioncam
  3. Selfie Stick (steht dieser Begriff schon im Duden?)

Wäre das möglich?

Eine Reise ohne diese drei Utensilien? Für manche Menschen (in einem gewissen Alter) unvorstellbar.

Auf Punkt Nummer drei – den Selfie Stick – können Menschen noch verzichten – denke ich. Wobei so ein verlängerter Arm schon praktisch sein kann. Cool wär es, wenn man ihn gleich noch als Wanderstock benutzen kann. Ich habe gehört, dass schon über die Erfindung der Selfie Stick-Machete diskutiert wird – natürlich nur als Videospiel. Im Ninja-Style durch Rom, Berlin und Paris „Selfies einsammeln“.

Die Actioncam – Punkt Nummer zwei: Die Perspektive wechseln, alles aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten, Dinge sehen, die man sonst nicht sehen konnte: das ermöglicht die Actioncam. Man kann die Actioncam am Fahrradhelm befestigen, sich um das Handgelenk schnallen oder mit ihr unter Wasser tauchen…verrückt. Eventuell liest man aus diesen Zeilen meine Begeisterung. Vielleicht ist die Actioncam sogar noch das am wenigsten „beeinträchtigende“ Utensil. Man befestigt sie einmal und sie ist relativ passiv dabei.

Ganz anders ist es bei der Nummer eins, da wir es immer anfassen, aus der Tasche kramen, es ans Ohr halten, bzw. vor uns auf der Höhe zwischen Brust und Bauchnabel halten: Unser allseits geliebtes und gleichzeitig verhasstes Smartphone – oder sagt man doch noch Handy? Hier ist es synonym zu verstehen. Wichtige Momente werden mit dem Smartphone aufgenommen – wenn auch nicht unbedingt sofort geteilt, vielleicht erst später, vielleicht gar nicht, vielleicht nur mit der Familie, vielleicht öffentlich mit Hashtags versehen.

Wäre eine Reise ohne Smartphone noch eine Reise? Wie speichert man all die Eindrücke, Momentaufnahmen und Erfahrungen ohne Smartphone? Ist der Augenblick auch so schön, wenn man ihn nicht teilt?

Hätte Goehte ein Smartphone gehabt, hätte er seine „Italienische Reise“ auf Instagram gepostet? Im 18. Jahrhundert schrieb er: „Heute schreibe ich unter dem neunundvierzigsten Grade. Er läßt sich gut an. Der Morgen war kühl, und man klagt auch hier über Nässe und Kälte des Sommers; aber es entwickelte sich ein herrlicher gelinder Tag. Die milde Luft, die ein großer Fluß mitbringt, ist ganz etwas Eigenes. Das Obst ist nicht sonderlich. Gute Birnen hab‘ ich gespeist; aber ich sehne mich nach Trauben und Feigen.“ (Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise – Kapitel 2)

Oder wäre er schon einen Schritt weiter gewesen? Welcher ist der nächste Schritt?

…ok…ich habe also meinen Koffer gepackt mit keinem Handy, keiner Actioncam und keinem Selfiestick darin. Ich schwinge mir den Rucksack, der mit Schlafsack, Nahrung und Wasser gefüllt ist, auf den Rücken und wandere los…

Ich reise. Ich sehe. Ich fühle.

Ich fotografiere nicht. ich tippe nicht. Ich konzentriere mich einzig und allein auf meine Umwelt. Die analoge, nicht die digitale.

 

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